Zircle, Zalandos Recommerce-Arm, verzeichnete 2025/26 starkes Wachstum. Was als Nachhaltigkeitsinitiative begann, wird zunehmend zur Pricing-Variable: Wenn C-Ware für 40 Prozent des Neupreises verfügbar ist, verändert das die Kaufentscheidung – und damit den Spielraum für Neuwarenpreise.
Zalando Zircle, der 2020 gestartete Recommerce-Bereich des Berliner Modehändlers, hat sich zu einem eigenständigen Marktplatz entwickelt. Nach Angaben von Zalando wurden auf der Plattform 2024 über 6 Millionen Artikel verkauft. Das klingt zunächst nach einer Nische – ist aber für Markenpricingteams längst strategisch relevant.
Wie Recommerce-Preise Neuwarenkäufer beeinflusst
Konsumenten, die eine Markenartikel kaufen wollen, vergleichen zunehmend nicht nur Neupreise untereinander, sondern beziehen Gebrauchtpreise in ihre Kaufentscheidung ein. Wenn ein Nike-Sneaker neu für 120 Euro angeboten wird, auf Zircle jedoch für 45–60 Euro verfügbar ist, entsteht ein impliziter Preisanker. Die gefühlte Prämie für „neu" muss dann über Verpackungserlebnis, Garantie oder Exklusivität gerechtfertigt werden – nicht mehr allein über die Funktionalität des Produkts.
Besonders relevant: Je schneller eine Produktkategorie auf Recommerce-Plattformen liquidiert wird (Mode, Elektronik, Sportartikel), desto stärker ist der Druck auf die Neuwarenmarge. Hersteller, die keinen selektiven Vertrieb betreiben (vgl. Coty-Urteil EuGH C-230/16), können dies kaum steuern.
Die EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR) befeuert Recommerce strukturell
Die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR, EU 2024/1781) verpflichtet Hersteller ab 2026 schrittweise zu Reparierbarkeit, Langlebigkeit und digitalen Produktpässen. Das stärkt strukturell die Recommerce-Logik: Wenn Produkte dokumentiert reparierbar sind, steigt die Bereitschaft zum Kauf gebrauchter Ware. Für Pricing-Strategen bedeutet das: Der Total Cost of Ownership als Kaufargument für Neuware wird wichtiger.
Was Handelsunternehmen konkret tun
Mediamarkt-Saturn betreibt seit 2021 einen eigenen Refurbished-Bereich, IKEA kauft seit 2020 gebrauchte Möbel zurück. Zalando selbst treibt die Zircle-Integration in den Haupt-Webshop voran – mit direkter Nebeneinanderstellung von Neu- und Gebrauchtpreisen. Diese Transparenz ist für Händler, die auf Recommerce-Plattformen verkaufen, eine Chance (zusätzlicher Abverkaufskanal), aber auch Risiko (Entwertung der Neuware).
Warum das für Pricing Manager wichtig ist
Recommerce ist kein Trend mehr, sondern ein struktureller Marktfaktor. Pricing Manager, die Gebrauchtpreise ihrer Kernkategorien nicht monitoren, verlieren einen wichtigen Referenzpunkt für die Preissetzung von Neuware. Wer Zircle, Back Market oder Rebuy nicht im Preismonitoring hat, hat eine blinde Stelle.
Pricing Takeaway: Recommerce-Plattformen (Zalando Zircle, Back Market, Rebuy) sind neue Preis-Benchmarks für Neuware – besonders in Mode, Elektronik, Sportartikel. ESPR (EU 2024/1781) stärkt strukturell den Gebrauchtmarkt. Recommerce-Preise in das Competitive-Pricing-Monitoring integrieren. Quellen: Zalando SE Geschäftsbericht 2024, EU-Verordnung 2024/1781, EuGH C-230/16 (Coty).